DAN SIMMONS "DIE FEUER VON EDEN"

(Goldmann 41597)


, gelesen von Andreas Hirn



"Dan Simmons schreibt wie ein Gott..."
Dieses Zitat Stephen Kings ziert das Cover des ausgewiesenen (aber mit 18,- DM nicht so verdächtigen) "Preishits" von Goldmann. Er hat vor allem zwei Dinge mit dem Inhalt des neuen (jedenfalls auf deutsch, das Werk datiert immerhin schon aus dem Jahr 1994) Simmons-Romans zu tun. Erstens geht es um diverse hawaiische Gottheiten, die sich bekriegen. Zweitens zeigt es, daß auch Götter nicht perfekt schreiben.
Pele ist die hawaiische Vulkangöttin, und als weibliche Gottheit muß sie heutzutage trendgemäß für das Gute stehen (daß dies nicht sein muß, zeigt das weit empfehlenswertere "Die Mondgöttin erwacht" von Elizabeth Hand). Wegen seiner kapitalistischen Geldgier hat sich der amerikanische Milliardär Byron Trumbo nämlich den Zorn eingeborener Kahunas (Priester) zugezogen, weil er beim Bau seiner hyperdimensionalen Hotelanlage zu Füßen des Vulkans Mauna Loa einige kultische Fischteiche plattgewalzt hat. Die Kahunas haben das Tor zur Unterwelt aufgestoßen, und der mächtige Kamapu'a (das Sinnbild des männlichen in Gestalt eines riesigen Ebers) hat es sich gleich zum Ziel gesetzt auch Pele mit zu besiegen. Was ihm nicht gelingt, aber das war ohnehin klar.
In Trumbos Hotel verschwinden immer wieder Gäste oder deren Körperteile, was den sündteuren Bau zum Großteil leerstehen läßt. Das Millionengrab will Big T auch schnellstmöglich an die Japaner verkaufen, was - neben dem Fertigwerden mit seinen drei Frauen - sein größtes Problem ist.
Die Geschichts-Collegeprofessorin Eleanor Perry (nicht Powell, wie es auf dem Backcover steht) reist vor allem wegen des Tagebuchs ihrer alten Tante Kidder nach Hawaii, diese war im Jahre 1866 schon dort - wo sie mit Samuel Langhorne Clemens (besser bekannt als Mark Twain) ganz ähnliche Abenteuer erlebte, wie sie sich auch jetzt abspielen. Cordie Cooke hat den Aufenthalt in dem Hotel in einem Preisausschreiben gewonnen - und hat nicht vor, ihn sich durch blutrünstige Dämonen verderben zu lassen.
Simmons-Fans werden jetzt erfreut mit der Zunge geschnalzt haben, denn die resolute Person tauchte im zarten Kindesalter bereits in "Sommer der Nacht" auf, dem erste Teil der mit "Kinder der Nacht" fortgeführten Reihe konventioneller Horror-Romane, die einem den Spaß an Simmons eher verderben können. Cordie ist ganz die gleiche geblieben wie damals (nur im Happy End kommt noch eine prachtvolle Pointe, die mich für kurze Zeit an meinem Verstand zweifeln ließ, denn ich warf das Buch danach nicht sofort weg).
Der Plot ist durch und durch ermüdend konventionell, am Beginn verschwinden drei sehr wortgewaltige Gäste beim Golfspielen, und danach kommen dosiert immer wieder Spannungsschübe, die den Roman recht unterhaltsam gestalten, jedoch gleichzeitig keinerlei Überraschungen bieten können.
Neben der klischeebeladenen Figurenzeichnung und dem ständigen Zitieren alter Monster- oder Katastrophenschinken, die mich schon mit gewisser Vorfreude an eine Fortsetzung völlig überflüssiger Filmprojekte der Zukunft denken läßt, wie Paul Verhoevens Adaption des Heinlein-Klassikers "Starship Troopers" oder die Neuverfilmung von "Fahrenheit 451" mit Mel Gibson (für die Bradbury auch noch selbst ein Drehbuch verfaßt hat!), gibt es auch zwei Sachen, die den Roman tatsächlich interessant machen.
Zum ersten wäre da natürlich die farbige Schilderung der exotischen Welt Hawaiis und seiner Mythologie und zum zweiten der alte, in wunderbar klassisch gehaltenem Stil abgefaßte, Reisebericht, der im ersten Teil des Werkes das bei weitem beste ist. Und hier ist die Idee brillant, Mark Twain als handelnde Person mitwirken zu lassen, was der Geschichte doch wieder irgendwo Format gibt.
Das Buch ist vielleicht nicht so schlecht, wie ich es hier gemacht habe. Es ist ein zwar durchschnittlicher, aber durchaus spannender Horror-Roman, dessen exotisches Flair ihn von anderen in der Handlung sehr ähnlichen Werken abhebt. Aber gemessen an dem, was Simmons schreiben kann, fand ich die Lektüre doch enttäuschend.

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Fires of Eden, © 1994 by Dan Simmons (Originalausgabe bei G. P. Putnam's Sons, New York). Übersetzt von Ute Thiemann 1997, Wilhelm Goldmann Verlag München. Paperback, 444 Seiten, DM 18.00


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