ED McBAIN: "MORDGESPENSTER"
Kriminalroman aus dem 87. Polizeirevier
, gelesen von Andreas Hirn
Der Regen ist zu Schnee geworden, und statt des "Calypso" erklingen Weihnachtslieder in Isola. Doch für Detective Carella ist auch zum Fest wieder ein schwieriger Fall zu lösen. Mit seinem Kollegen Cotton Hawes wird er zu einem Mord gerufen, der sich jedoch nur als "Begleitfall" zu einem anderen Fall erweist. Der Schriftsteller Gregory Craig ist mit 19 Messerstichen umgebracht worden.
Carella und Hawes ermitteln fieberhaft. Doch nicht nur über die Feiertage abwesende Zeugen erschweren die Untersuchungen. "Tötende Schatten", so hieß der letzte Bestseller des Ermordeten, darin geht es um "Gespenster" - und gerade die sollen eine wichtige Rolle spielen. Das Medium Hillary Scott, das mit Craig zusammenlebte und Carellas Frau Teddy verdammt ähnelt, sieht sie überall, zumindest die "Aura" des Mörders, und bei dem Ausflug zu den "tötenden Schatten", sieht auch Carella Gespenster.
Mit seinem vierunddreißigsten Roman um das 87. Polizeirevier erweist sich McBain nach zwei eher durchschnittlichen (Lange nicht gesehen, Calypso) und einem schlechten (So lang ihr zwei noch lebt) Roman wieder auf der Höhe seines Leistungsvermögens. Elanvoll läßt er das alte Jahr in Isola ausklingen. Nicht nur der Fall hat es in sich (In den horrorähnlichen Szenen beweist McBain, daß er zwar ein nicht unbedingt innovativer Autor auf dieser Strecke ist, jedoch einen guten, spannenden Thriller zu schreiben vermag.), die Begleitumstände sind außergewöhnlich interessant.
Dabei behält der Meister es sich vor, die übernatürlichen Geschehnisse nicht zu erklären. Das mag vor allem damit zusammenhängen, daß die Hauptperson Carella selbst nicht weiß, was er von Hillary und ihrer Zwillingsschwester Denise halten soll. Allein durch ihre Ähnlichkeit zu seiner Frau Teddy haben sie mit ihrem Zauber eine gewisse Kontrolle über ihn. Und die Visionen sind teilweise, nun ja - verblüffend.
Der Krimi ist eine runde Sache (der Titel hat wie meist bei McBain auch noch eine übertragene Bedeutung, die für das Mordmotiv wichtig ist), der Hintergrund ist stimmig gezeichnet, und auch Carella erscheint wesentlich lebendiger und vielschichtiger als gewohnt, er ist schließlich ebenfalls mehr als gewöhnlich persönlich involviert.
Zimperlich ist McBain nicht. So ist die detaillierte Beschreibung der Verwundungen von Craig schon ziemlich hart. Gleichzeitig ist der Roman wieder voll von Anspielungen auf vergangene Teile der Serie und die urbane Wunderwelt der Moderne. Das kann teilweise sehr amüsant sein, obwohl einem bald darauf das Lachen im Halse steckenbleibt. Die "Schreibe" ist gewohnt locker und routiniert - und die vom nackten Sachverhalt auf den persönlichen Hintergrund abschweifende Art der Personeneinführung (die in Perfektion im 1995er, 46. Roman der Serie, "Romanze" zu genießen ist) war auch damals schon genial.
Ein vergnügliches, spannendes, sehr unterhaltsames Highlight der Reihe!
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Ghosts, © 1980 by HUI Corporation. Übersetzung von Ute Tannert, bearbeitet von Uwe Anton (1996). Bergisch Gladbach 1996, 254 Seiten, DM 9.90
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