ED McBAIN: "SCHÖNE BESCHERUNG"
(Ullstein 10664)
, gelesen von Andreas Hirn
Es ist Heiligabend in New York City. Der Orangenzüchter Michael J. Barnes aus Sarasota, Florida, will nach einem Treffen mit seinem Werbeberater zu seiner Mutter nach Boston fahren. Zuvor macht der Vietnam-Veteran jedoch einen kleinen Abstecher nach Downtown, wo er in einer Bar die schöne Helen Parrish kennenlernt.
Soweit so gut. Michael muß seine Blauäugigkeit schwer bezahlen. Die Schöne beschuldigt ihn, ihren Ring geraubt zu haben. Zusammen mit einem Polizisten gehen sie vor die Tür, wo ihm der - offensichtlich falsche - Cop Ausweis, Führerschein, Geld, Kreditkarten und den Leihbüchereiausweis stiehlt. Wieder in der Bar spricht ihn ein Regisseur an und bietet sich an, Barnes zum nächsten Polizeirevier zu fahren. Doch auch der Filmemacher ist unecht, denn er klaut Barnes' Wagen. Später hört der ihm Fernsehen von einem Mord, den er begangen haben soll - denn der Regisseur ist ermordet worden.
Glaubt man wenigstens, denn der ist noch quicklebendig. Barnes, mit tatkräftiger Unterstützung der jungen, hübschen Chinesin Connie Kee, macht sich auf in den feindlichen Dschungel der Downtown und verfolgt die Spuren, die ihn womöglich entlasten könnten...
Der aufmerksame Leser wird es sofort im ersten Satz meiner Besprechung gemerkt haben, "Schöne Bescherung" ist kein Roman aus dem 87. Polizeirevier, die ja bekanntlich in der fiktiven Stadt Isola angesiedelt sind. Tatsächlich ähnelt Isola New York sehr, und genauso tatsächlich hat hier scheinbar keiner an die Polizei gedacht, die nur kurz einzugreifen braucht. Es ist schließlich Weihnachten, gönnen wir doch jedem sein Fest.
Ed McBain behält den Stil seiner Romane ums 87. bei, was auch in diesem Buch zu sehr amüsanten Passagen führt. Er hat natürlich die Schwierigkeit, seine Charaktere völlig neu zu zeichnen, was ihm jedoch kaum Schwierigkeiten bereitet. Auch der Hintergrund New Yorks ist überzeugend gelungen, was manchmal ziemlich bitter ist - aber größtenteils realistisch.
Daran zehrt vielleicht etwas die teilweise nur halbgare Logik, die am deutlichsten Löcher bei Connie Kee hat, deren Motivation etwas im dunklen liegen und die über übersinnliche Wahrnehmung verfügen muß. Aber Schwamm drüber.
Das ist - wenn schon nicht beabsichtigt - passend zum Handlungsaufbau. McBain versucht im realistischen Ambiente eine klassische Whodunit-Geschichte aufzubauen, was leider zu mehr Verworrenheit als Spannung führt. Dennoch ist der Roman lesenswert, viele Szenen sind wunderbar gestaltet. Dann gibt es noch eine Menge Running Gags und eine noch größere Anzahl an Anspielungen auf Filme bzw. Bücher, das Thema, was in "Romanze" zum eigenen Roman wurde. (Wobei McBain im Gegensatz zu Kim Newman beispielsweise meist den Titel des Films/Buches nennt und dann die Assoziation kommen soll, bei Newman ist es umgekehrt.) So darf es schon mal so zugehen wie im Film, auch wenn der Roman mich zwischendrin einmal fatal an einen Film erinnerte, den ich gesehen zu haben glaube, mich aber nicht erinnern kann, welcher das war.
Nicht aus McBains Oberliga, aber auch kein völlig vermurkster Roman wie "Kiss", unterhaltsame Mittelklasse.
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Downtown, © 1989 by HUI Corporation. Übersetzung Iris Spychalski und Lothar Fremy. Ullstein-Verlag, Frankfurt/M.-Berlin November 1990. 284 Seiten, DM 24.80
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