DASHIELL HAMMETT "THE THIN MAN" (1934)

(dt.: Der dünne Mann)


,gelesen von Andreas Hirn



Es vergingen immerhin drei lange Jahre bis der letzte Roman Hammetts erschien. Er ist vielleicht das am besten unterhaltendste seiner Werke, aber irgendwo überhaupt nicht so richtig Hammett-typisch. Ebenfalls 1934 entstand nach dem "Thin Man" ein Film mit William Powell als Nick Charles und Myrna Loy als seiner Frau Nora, der es immerhin auf fünf Fortsetzungen brachte und so Hammetts letzten Roman zu seinem erfolgreichsten machte. Denn die Popularität der Filme strahlte auch auf ihre Keimzelle.
Schon die Wahl des Helden ist ungewöhnlich. Nick Charles ist kein Zyniker, auch kein richtiger Detektiv. Nachdem seine Frau viel geerbt hat, weiß er gar nicht, wie er es ausgeben soll. Ünd so betreibt er das kriminalistische Geschäft eher aus Hobby. Nick erzählt zwar selbst, man hat aber selten das Gefühl einer solchen Erzählperspektive, weil er wenig in seinen eigenen Gedanken reflektiert, die wichtigen Dinge in der Handlung passieren fast ausschließlich in Dialogen - und die sind geistreich und voll von scharfem Wortwitz. Auch wenn er längst die Underdog-Klasse verlassen hat, aus der der typische "hard boiled" Detektiv stammt, und Nora als reiche Erbin eigentlich ein Biest sein müßte, daß ihn in Schwierigkeiten bringt (ganz davon abgesehen, daß ein typischer "harter" Detektiv nicht verheiratet ist), harmonieren die beiden prächtig und bewahren stets eine ironische Distanz zu ihrer Umgebung.
Nick Charles muß sich hier stellenweise von seiner Lieblingsbeschäftigung - dem sich einen Drink sichern - lösen, um einer Freundin der Familie, Dorothy, der Tochter des berühmten Erfinders Wynant (Eine ähnlich schillernde Figur wie Edgar Leggett in "The Dain Curse".), zu helfen. Ihr Vater, der im Titel erwähnte "dünne Mann", soll seine Sekretärin umgebracht haben und sich versteckt halten. Nick wird mehr oder weniger ohne sein Zutun in eine undurchsichtige Affäre verwickelt, aus der ihm am Schluß nur eine Portion Scharfsinn, die er durchaus von seinen englischen Kollegen geerbt hat, helfen kann.
Neben vielen mehr oder weniger verdächtigen Figuren und ihren verwickelten Beziehungen untereinander, besticht der "Thin Man" vor allem durch sein sehr hohes Tempo und den rasanten Witz. Der Fall ist ausreichend verzwickt, und ständig platzt jemand bei den Charles' hinein, was immer Anlaß zu äußerst amüsanten Rededuellen liefert. Auch wenn Hammett schon wesentlich kritischer war, oder seine Handlungen im Hintergrund differenzierter ausgefallen sind, der Roman lohnt die Lektüre auf jeden Fall, den mehr Spaß kann man beim Lesen von Dashiell Hammett kaum haben.



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