DASHIELL HAMMETT "THE GLASS KEY" (1931)

(dt.: Der gläserne Schlüssel)


,gelesen von Andreas Hirn



Ohne den "Thin Man" schlecht machen zu wollen, dies wäre ein würdiger Abschlußroman für Hammett gewesen. Denn er ist neben dem "Maltese Falcon" sein reifestes Buch, ein sehr spannender Roman, der deutlich die Verzahnung von Unterweltgeld, Politik, Polizei und Staatsanwaltschaft zeigt und genauso ein beeindruckendes Drama um Freundschaft ist. Interessanterweise sind sowohl "The Maltese Falcon" als auch "The Glass Key" in einer personalen Erzählweise geschrieben - nicht als Ich-Erzählung.
Der in dunklen Geschäften zu Geld gekommene Paul Madvig meint, sich mit Geld die Eintrittskarte zum Theater der Stadtpolitik kaufen zu können. Er unterstützt die Kandidatur des Senators Henry, der nur mit seiner Hilfe seine Widerwahl durchsetzen kann. Da erschüttern jedoch die Ereignisse um und nach dem Tod von Henrys Sohn Taylor die Öffentlichkeit. Paul soll der Mörder sein, selbst seine eigene Familie glaubt den Anschuldigungen, die Presse, die in der Hand seiner Gegner ist, hetzt gegen ihn. Seine Untergebenen scheinen nicht mehr weit von dem Punkt entfernt zu sein, sich gegen ihren Boss zu wenden. Paul und der Senator müssen erkennen, daß sie zwar den Schlüssel zur Macht in der Hand halten, wenn man ihn zu sehr belastet, bricht er jedoch so leicht wie Glas.
Daß Politiker über Leichen gehen, um ihre Ziele zu erreichen, ist nicht unbedingt etwas neues, auch wenn Hammett es als erster gleichberechtigt in eine Krimihandlung eingebaut hat. Wie kaum in einem seiner anderen Bücher gelingt es Hammett, die unheilvolle Allianz der Mächtigen und dem Geld Hörigen zu zeigen, er geht da zum Beispiel wesentlich expliziter zur Sache als es die ohne Zweifel gelungene Verfilmung von Stuart Heisler tut.
Fast noch beeindruckender ist jedoch die Darstellung des bis auf eine Ausnahme trostlosen Verhältnisses zwischen den Protagonisten. Die eigentliche Hauptfigur des Buches ist Ned Beaumont, ein Spieler, Aufräumer und nun Hobbydetektiv, der einzige wahre Freund, den Paul Madvig noch besitzt. Zwar bezeichnet Madvig Beaumont gern als solchen, aber diese Gefühle gehen ihm völlig ab. Von Beaumonts Seite sieht das anders aus, er ist loyal und hilft seinem Freund (den er nie so bezeichnet) aus der Klemme, in dem er mit allen ihm zur Vefügung stehenden Möglichkeiten kämpft, Madvig nicht in den Knast wandern zu lassen. Dabei kann er sich auf eine Machtpostion als Hilfsangestellter der Staatsanwaltschaft verlassen, die ihm seine Stellung als Vertrauter Madvigs eingebracht hat, verlassen. Diese bröckelt jedoch genau in dem Maße, wie er unbequem wird. Er kann Paul nicht davon abbringen, sich mit Janet, der Tochter des alten Senators Henry zu treffen, weil Madvig in sie rettungslos verliebt ist. Wie es sich für eine anständige Femme Fatale gehört, haßt sie ihn und versucht ihn mit ihren anonymen Briefen an alle Beteiligten ein für alle Male aus dem Weg zu schaffen.
Madvig will diese Wahrheit nicht verstehen, er weiß darüber hinaus schon von Anfang an, wer der wahre Mörder von Taylor ist, kann es allerdings nicht öffentlich herausposaunen, weil er damit seinen Weg an die Macht verbauen würde. Da stört ihn sein "Freund" Beaumont fast mit seinem Eifer, jedoch ist er auf dessen Hilfe angewiesen. Denn mit seiner berechnenden Art hat er in seiner Umgebung längst niemanden mehr, der ihm vertraut, seine Tochter Opal ist ganz offen der Meinung, er habe ihren Geliebten Taylor getötet.
Am Ende sind Madvig und Beaumont fertig miteinander, Beaumont verläßt die Stadt. Janet geht mit ihm, die plötzlich ihr Herz für Ned entdeckt zu haben vorgibt. Madvig will die Stadt reinigen, wird aber genauso enden wie der alte Henry, der buchstäblich über Leichen geht, um seine Macht zu sichern.
Gerade in der Figur des Paul Madvig ist der Fatalismus spürbar, die den Filmen der "Schwarzen Serie" ihre besondere Atmosphäre gab. Ihm gleiten die Fäden aus der Hand, und von seinen Interessen behindert, kann er sie nicht wieder aufnehmen. Seine Beziehungen sind trostlos, alle ihm nahestehenden Menschen hassen oder verachten ihn, vielleicht mit Ausnahme seiner Untergebenen, die ihn fürchten oder seinen Senator-Freund Henry. Ned Beaumont ist fast der einzige, der noch eine Moral besitzt, auch wenn er die Hoffnung für sich selbst aufgegeben hat. Er weiß, er wird als abgewrackter Spieler enden, aber Loyalität und Sympathie treiben ihn, Madvig zu beschützen. Auch die gerade erwachsen werdende Opal ist schon vergiftet. Wenn sie sich nicht aus dem Einfluß ihres Vaters befreien kann, wird sie ebenfalls als gefühllose Ware enden, die alles am Erfolg des Geldes mißt.



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