DASHIELL HAMMETT "THE DAIN CURSE" (1929)
(dt.: Der Fluch des Hauses Dain)
,gelesen von Andreas Hirn
Hammetts zweiter Roman besitzt zwar noch denselben Helden wie "Red Harvest", ist jedoch vom Plot her ganz anders aufgebaut. Dieser erinnert nämlich streckenweise sehr an traditionelle Vorbilder des englischen Krimis, auch wenn nicht gerade mit "handgearbeiteten Duellpistolen, Curare und tropischen Fischen" (Chandler) gemordet wird.
Der Continental op wird diesmal beauftragt, den Diebstahl von acht kleinen Diamanten aufzuklären. Bereits sein erster Besuch bei der Familie Leggett, die den Raub anzeigte, nährt seine Zweifel. Und wie es bei Versicherungsfällen so oft der Fall ist, hat einer der Bestohlenen seine Finger im Spiel. Das an sich wäre ja nichts besonderes, aber jetzt beginnt Hammett eine hübsche, ziemlich verrückt klingende Geschichte zu konstruieren (Man denke da zum Beispiel auch an die Geschichte des Falken in "The Maltese Falcon"!), die ein packendes Murder Mystery abgibt.
Der Familienvater Edgar Leggett ist in Wahrheit der Franzose Maurice Pierre de Mayenne, der wegen Mordes an seiner Frau Lily Dain verurteilt worden ist und dann von der Todesinsel fliehen konnte. Unter falschem Namen lebte er später in San Francisco, bevor ihn seine Schwägerin Alice Dain hier aufspüren konnte. Sie brachte seine Tochter Gabrielle mit, heiratete Edgar. Nun ist er tot, sie verrät das (angeblich) wahre Geheimnis der Ermordung Lilys. Es soll nämlich, fatal angeleitet, Gabrielle gewesen sein, die ihre Mutter beim Spiel mit einer Pistole tötete. Ein Fluch, der über den Dains liegt, wird von ihr beschworen, bevor sie bei einer versuchten Flucht selbst erschossen wird.
Das ist alles sehr literarisch, wie in einem schönen Krimi- oder Abenteuerroman, so daß man eigentlich keine Schwierigkeit hat, schon recht bald herauszufinden, wer der eigentliche Mörder ist. Im zweiten Teil zieht sich Gabrielle erst einmal in den Tempel des Heiligen Gral zurück, einem Unterschlupf eines sektenähnlichen Kultes. Sie glaubt fest daran, daß auf ihrem Blut ein Fluch liegt, zumal sich wieder Morde ereignen.
Hier kämpft selbst der Continental operator mit Gespenstern, kann jedoch eine logische Erklärung finden. Im letzten Teil verfliegt der mysteriöse Reiz etwas, da Hammett wieder realistischer wird. Gabrielle hat mittlerweile ihren Verehrer geheiratet. Der überlebt das freudige Ereignis leider nicht allzulange, dazu wird Gabrielle entführt.
Im dritten Teil kommen auch wieder die Hammett und überhaupt hard-boiled-Krimi üblichen abgebrühten Polizisten ins Spiel.
Der Continental Detektiv, trotz seiner manchmal kompromißlosen Methoden immer ein Sympathieträger und eine Identifikationsfigur für den Leser, bekommt nun auch fast marloweske Züge, als er mit Gabrielle einen Drogenentzug durchführt. Er kann am Ende auch den Täter überführen, was in einer netten Zirkusvorstellung gipfelt. Trotzdem bleibt der Detektiv allein, selbst Gabrielle hat sich von ihrem "großen Freund" etwas entfernt.
Das muß für einen anständigen Krimi auch so sein, ebenfalls die Freundesrolle des Mörders. Insofern im Westen nichts Neues. Warum lohnt sich die Lektüre dennoch?
Zuerst sicherlich wegen der in Perfektion ausgeführten Hammettschen Charakterzeichnung. Die Agierenden sind allesamt recht eigenartige Personen, bekommen dazu auch passend (wie Hammett es gern tat) exotische Namen, die Handlung ist teilweise sehr spannend, gut konstruiert, gleichwohl Hammett es nicht vermeiden kann, daß das Buch nach dem "Tempel"-Abschnitt in zwei Teile zerfällt: den abgeschlossenen Mystery-Teil und den folgenden sich hauptsächlich mit den Menschen beschäftigenden.
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