DASHIELL HAMMETT "DIE FRAU IM DUNKEL"

(Haffmans Kriminalroman bei Heyne Nr. 71)


, gelesen von Andreas Hirn



"Woman in the Dark" erschien 1933 in drei Fortsetzungen im Magazin "Liberty", was wohl findigen Leuten lang genug erschien. Es ist ja eine bekannte Tatsache, daß wegen Erbschafts- und Rechtestreitigkeiten einige Erzählungen Hammetts Jahrzehnte nicht mehr veröffentlicht wurden und dem willigen Käufer nun als "neuentdeckt" angeboten werden. So auch dieser "Roman einer gefährlichen Liebe", der 1988 bei Alfred Knopf, der ebenfalls Raymond Chandler in den USA verlegte, publiziert wurde. In der deutschen Übersetzung nimmt die Geschichte - großgedruckt - vielleicht 75 Seiten ein, der Rest ist ein kompetentes Vorwort Robert B. Parkers ("Spenser"), der ja immerhin seine Doktorarbeit über das Werk Hammetts, Chandlers und Macdonalds schrieb.
Das Manuskript ist in jeder Hinsicht unzureichend für einen Roman, als den man es auch gar nicht lesen darf. Die Handlung ist schnell zusammengefaßt: Die schöne Luise Fischer hat sich in Europa in den Großgrundbesitzer und Gauner Robson verliebt, will ihn jetzt in Amerika verlassen, trifft auf den guten, aber gewalttätigen Brazil, der ihr helfen will und einen Kumpel Robsons halbtot schlägt. Daraufhin fliehen beide vor der Polizei, verknallen sich, er wird angeschossen usw. Hätte man prima auch in einer 20-Seiten-Story unterbringen können.
Das Buch ist jedoch nicht allein deswegen schlecht. "Die Frau im Dunkel" gibt ein prima grobes Pulp ab, ist für Hammett geradezu eklatant undynamisch. Das fängt mit einer äußerst schwachen Figurenzeichnung an und setzt sich mit der äußeren Handlung fort. Der erste Teil gleicht einem schlechten Theaterstück, ständig betritt oder verläßt jemand Brazils Haus, alles wirkt sehr gezwungen. Der Rest der Handlung verläuft, abgesehen von einigen gewalttätigen Intermezzi, in Versatzstücken ab, egal ob das das Versteck bei Brazils Gaunerfreunden ist, der Auftritt der abgekochten Cops oder die Flucht Brazils aus dem Fenster. Dazu kommen schwache Dialoge, die nicht nur nichtssagend sind, sondern auch noch an manchen Stellen gerade das falsche sagen.
Dennoch hat auch "Die Frau im Dunkel" das gewisse Etwas Hammettscher Prosa, was man nach der unmotivierten Pointe nur zu schnell bereit ist zu vergessen. Es tut mir leid, nur solche harten Worte finden zu können, da ich Hammett und seine Art zu schreiben mag. Auch unter den neuentdeckten Erzählungen gibt es echte Juwelen, wie z. B. "In der Leichenhalle" (im deutschen in: "Der Engel vom ersten Stock"), "Die Frau des Raufbolds", "Alptraumstadt" (beide in: "Zwei scharfe Messer") oder "Die ganz große Kohle" (in: "Der Komplize").
Der vorliegende Text wäre in solch einer Collection entschieden besser aufgehoben gewesen. Das Projekt ist viel zu sehr Geldschneiderei (auch der Preis für die wenigen Seiten ist nicht ohne), lediglich aus Vollständigkeitsgründen bei der Veröffentlichung Hammettscher Erzählungen zu begrüßen. So muß sich "Die Frau im Dunkel" - mit dem Anspruch der Herausgeber - messen lassen mit Romanen wie "Rote Ernte" oder dem "Malteser Falken". Und da ist "Die Frau im Dunkel" eine Enttäuschung!

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The Woman in Dark (1933), © 1988 The Estate of Dashiell Hammett. Übersetzung von Wulf Teichmann (1988), Heyne (Haffmans), München Juni 1994, 93 Seiten, DM 9.90



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