DAVID GEMMELL: "DER DUNKLE PRINZ"
(Bastei-Lübbe 20292
, gelesen von Andreas Hirn
Dies ist der zweite Teil des gelungenen "Der Löwe von Macedonien", in dem sich allerdings - entgegen der Anpreisungen auf der vierten Umschlagseite - die überlieferte Historie nicht so recht mit der mythischen Dimension der Fantasy verbinden will. Und gerade das war ja der große Vorteil seines Vorgängers.
David Gemmell spinnt die Geschichte des spartanischen Halbblutes Parmenion weiter, der ein genialer Feldherr ist und als strategos treu dem macedonischen König Philipp dient. Philipps Macht befindet sich nunmehr auf dem Höhepunkt, Parmenions Ruf läßt alle anderen griechischen Stämme erzittern. Alexander, der Sohn Philipps, den in Wahrheit Parmenion in einer verzauberten Nacht zeugte, ist das menschliche Gefäß für den Herren der Dunkelheit - Kadmilos - doch hat der Junge auch genug Gutes in sich, um gegen den Dämonen kämpfen zu können.
Alexander wird in ein paralleles Griechenland entführt, wo er als das "Goldene Kind" dem dämonischen Zwillingsbruder seines Vaters, Philippos, zu ewigem Leben verhelfen soll. Der mächtige magus Aristoteles (sic!) entsendet Parmenion und den Attentäter Attalos, um Alexander zu helfen - und gibt ihnen zur Unterstützung die Heilerin Thena mit, die niemand anderes als Parmenions vergebliche Jugendliebe Derae ist. Nach allerhand prächtigen Abenteuern stellt sich heraus, daß Alexander tatsächlich das Goldene Kind Iskander ist und er den Zauberwesen der Mythologie das Tor in eine heilere, freundlichere Welt öffnen kann.
Wieder zurück im tatsächlichen Griechenland beginnen immer verschärftere Intrigen am Hofe Philipps - und die Helfer des Herren der Dunkelheit sind auch nicht gerade untätig.
Die Inhaltsangabe zeigt es: Anstatt die schon abenteuerliche Historie als Vehikel seiner Geschichte zu benutzen, hält es David Gemmell für nötig, eine komplizierte Konstruktion zu basteln, die die üblichen Klischees enthält und bei weitem nicht mit dem ersten Teil der Dilogie mithalten kann. Denn war es dort die Geschichte des verhaßten Halbblutes Parmenion und sein Kampf um das Gute, verbunden mit seiner Mannwerdung, so ist es hier ein Roman im Roman, der unbedingt eingepaßt werden soll und damit den ganzen Spannungsbogen zerbricht.
Vielleicht sollte "Der dunkle Prinz" eine vergleichbare Länge wie sein Vorgänger haben, möglicherweise wollte Gemmell ein monumentales Gemälde des Kampfes zwischen Gut und Böse auf allen Ebenen (und in allen Dimensionen) zeichnen. Ich weiß es nicht. Lesenswert ist allenfalls der etwas mehr als 300seitige Ausflug ins mythologische Achäa/ Griechenland, eine fantasytypische Quest mit vielen Helden, die versagen oder über sich hinauswachsen können - geeint im Kampf gegen das Sterben ihrer Welt.
Das ist natürlich austauschbar und nicht im geringsten zwingend für die Entwicklung des jungen Alexanders. Daß es mehr als Streckung der eigentlichen Handlung ist, beweist, daß diese nur ein bißchen Intrigen und Gemetzel ist, kein Ganzes und ziemlich gequält. Gerade der Aufstieg Alexanders und seine Eroberungen im Osten werden nur ganz kurz erwähnt. Schade eigentlich, was hätte hier für ein Potential gesteckt. Schlachten und mittendrin ein verzweifelter Alexander im Kampf mit sich! So bleiben die in jedem Lexikon nachlesbaren Stationen, wie die Vernichtung Thebens, die Schlacht am Granikos oder Alexanders Übernahme persischer Machtbekenntnisse. Und Parmenions alte Erinnerungen an seine Jugendliebe Derae und die Derae der Parallelwelt, in der er spartanischer König gewesen ist, die unsäglicherweise im happy end eine Erfüllung finden.
Fazit: Viele verschenkte Möglichkeiten, eine krampfige Konstruktion und wenig Magie, wo historische Wirklichkeit und Mythologie verschmelzen. "Der Löwe von Macedonien" verdient diese überflüssige Fortsetzung nicht (eine bessere schon, denn Konflikte genug waren dort am Ende noch vorhanden).
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Dark Prince, © 1991 by David A. Gemmell. Übersetzung Ralph Tegtmeier (1993), Taschenbuchausgabe bei Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach, Oktober 1996, 638 Seiten, DM 14.90
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