DAVID GEMMELL: "DER LÖWE VON MACEDONIEN"
(Bastei Lübbe 20270)
, gelesen von Andreas Hirn
Manchmal ist es so einfach wie genial. Fällt den Fantasyschreibern meist nichts anderes ein, als ihre Geschichten auf erdähnlichen Planeten mit menschenähnlichen Figuren (inklusive Elfen, Zwerge, Feen und Riesen) in einem pseudohistorischen (in der Mehrzahl an den Feudalismus angelehnten) Ambiente spielen zu lassen. Warum sollte man dann nicht tatsächlich Pseudohistorie schreiben? Wie schon Stefan Zweig richtig bemerkt hat, alle akribische Recherche nützt wenig, der Schriftsteller muß die historische Welt als Künstler erschaffen.
Existieren aus diesem Genre auf dem Gebiet der Menschwerdungsgeschichte schon einige Romane (erinnert sei z. B. an Jean M. Auels Wälzer), so sieht es mit Werken, die in zivilisierteren Epochen handeln, mau aus. Vor allem, wenn es mehr Historie als Phantastik sein soll und einigermaszen gehobenen Anspr%uuml:chen genügen soll. Mir fällt da auf Anhieb Guy Gavriel Kays "Die Löwen von Al-Rassan" ein, welches im spanischen Mittelalter angesiedelt ist. Und dann kommt schon wieder eine Lücke.
Vom Verlag gleich vollmundig als Beginn "einer großen historischen Saga" angekündigt, umfaßt Gemmells Reise in die Antike wohl nur zwei Romane, den "Löwen von Macedonien" und die Fortsetzung "Der dunkle Prinz".
Gemmell hat sich in seinem umfangreichen Werk an die historischen Eckpfeiler gehalten. Dem "Löwen von Macedonien" begegnen wir zunächst als halbwüchsigem Jungen. Parmenion, so sein Name, wird als Halb-Spartaner und Halb-Macedonier von seinen Mitstreitern in der Kaserne in Sparta verspottet. Er möchte sich die Anerkennung der anderen verdienen, doch neidet man ihm seine Kraft und seinen scharfen Verstand. Vom väterlichen Freund und Feldherren Xenophon ausgebildet, entwickelt er sich zu einem tapferen und geschickten Soldaten, in dem das Zeug zum großen General steckt. Nach seiner Liaison mit der Königstochter Derae, die seherische Kräfte besitzt, muß er Sparta verlassen; seine Geliebte soll getötet werden.
Parmenion geht nach Theben und entwickelt sich dort zum "Tod der Staaten", er durchbricht Spartas Vorherrschaft in Griechenland, kämpft als Söldner in vielen Armeen, bevor er Philipp II. von Macedonien hilft, ein Heer aufzubauen. Doch, was Parmenion nicht weiß, er ist nur Spielzeug im Kampf der Guten gegen das Böse, welches seine Hilfe benötigt, damit der Dunkle Gott geboren werden kann.
"Ein Roman voller Abenteuer und Magie aus dem antiken Griechenland" verspricht der Titel - und der Roman hält es. "Der Löwe von Macedonien" ist vor allem ein spannender historischer Abenteuerroman voll von Helden, Königen, schönen Frauen, großen Kriegen, Freundschaft und Liebe, Intrigen, Haß und Klischees. Die fast 700 Seiten werden selten lang, denn Gemmell erzählt mit Schwung, verfällt, trotz des Erklärens von so manchem Detail, nicht ins Dozieren, seine Protagonisten sind typische Charaktere aus Abenteuerromanen, nicht sonderlich tiefgründig gestaltet, aber allemal dazu in der Lage, die Handlung zu tragen. Gemmell hätte unter Umständen das Buch in zwei teilen können, denn nach Parmenions Siegen in Theben ist der erste große Abschnitt seiner Entwicklung beendet. Die Zeit in Philipps Diensten läutet dann den ersten entscheidenden Höhepunkt in der Schlacht des Dunklen Gottes ein.
Ein pralles Actionabenteuer ohne Anspruch aber von sehr hohem Unterhaltungswert, das die griechische Mythologie und die Orakel bzw. Seher der Antike, wie die Menschen damals daran glaubten, homogen in die Handlung einbezieht und wahr werden läßt.
Zur Lektüre empfohlen!
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Lion of Macedon, © 1990 by David A. Gemmell. Übersetzung Wolfgang Neuhaus 1993, Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach März 1996, 669 Seiten, DM 14.90
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