STORM CONSTANTINE "IM BANN VON LIEBE UND HASS"

2. Roman der Wraeththu-Trilogie

(Heyne-TB 06/5457)


,gelesen von Andreas Hirn



Der zweite Band der "Wraeththu"-Trilogie, der keine direkte Fortsetzung von "Der Zauber von Fleisch und Geist" ist, gleichwohl die Handlung zeitlich anschließt, beschäftigt sich mehr mit der okkulten Seite der Wraeththu, die im ersten Teil nur angedeutet wurde. Auch tauchen viele wichtige Persönlichkeiten erneut auf, die - aus einem anderen, jedoch ebenso subjektiven Blickwinkel gesehen - nun in einem ganz neuen Licht erscheinen, ihre Handlungen anders bewertet werden. Das macht die von Storm Constantine plastisch dargestellte Fantasy-Welt reizvoller.
"Im Bann von Liebe und Haß" erzählt der "Königssohn" Swift, Mitglied des kriegerischen Varr-Stammes. Sein Vater ist der kalte Herrscher Terzian, dem Pellaz und Cal im ersten Teil bereits begegneten. Der Roman beginnt mit der Gründung des Familienanwesens Immerdar und der Entwicklung des kindlichen und aufgeweckt-sensiblen Harlings zum erwachsenen Har, Freundschaften, Eifersüchteleien und Intrigen am Hof. Alles gut beobachtet, die Personen erweckt Storm Constantine zu eindrucksvollem Leben, jedoch in der ganzen Art des Handlungsaufbaus ziemlich behäbig und wenig mitreißend.
Der "gefallene Engel" Cal kehrt zu Terzian zurück und sorgt mit seiner charismatischen Persönlichkeit wie schon im ersten Teil für Unruhe. Er ist es, in den sich der machtbesessene Terzian verliebt, und er ist auch derjenige, der Swift bei dessen Geschlechtsreife in die Freuden der körperlichen Liebe einweiht. Terzian zieht in den Krieg gegen die fortschrittlichen Gelaminger, die die zersplitterte Rasse der Wraeththu unter ihrem Kommando vereinen wollen. Cal und Swift, in Immerdar zurückgeblieben, machen sich nach der Aufforderung der Anführerin eines Zigeunerstammes auf den Weg nach Süden. Sie geraten in einen Traumwald, werden von den Gelamingern überwältigt.
In dieser Phase gewinnt der Roman deutlich an Schwung und wird sogar richtig spannend. Das ist jedoch nicht von langer Dauer. Cal verschwindet, und Swift kann von den Gelamingern zur Mitarbeit gewonnen werden. Mit seiner Hilfe gelingt der entscheidende Schlag gegen die Varrs.
Wieder zu Hause in Immerdar erfährt Swift endlich, was mit Terzian und seinen Kriegern geschehen ist. Der große Krieg ist eigentlich nur "nebenher" abgelaufen, da Swift ihn nicht am eigenen Leib erlebt. Trotzdem werden seine Schrecken am Ende beklemmend deutlich, wenn der Roman endlich die Tiefe erhält, die ihm über weite Strecken fehlte. Der gefolterte (in guter Absicht, nichtsdestotrotz aber gefolterte) Terzian ist ein gebrochener Har, dem Tode nah - und offen wie nie zuvor.
Die letzten Gespräche werden kleine Tragödien für die glaubwürdig angelegten und subtil gezeichneten Personen. Storm Constantine beweist hier ihr außerordentliches Geschick, die Formen des menschlichen bzw. harischen Umgangs untereinander in treffende Sätze zu kleiden, hier zeigen sie und ihre Protagonisten Größe und Reife.

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The Bewitchments of Love and Hate, © Storm Constantine 1988 (Erstveröffentlichung bei Macdonald, London), übersetzt von Biggi Winter 1996. Heyne Verlag München, 557 Seiten, DM 16.90


Mehr Constantine bei ONE PLUS ONE

Der Zauber von Fleisch und Geist (Rezi zum 1. Teil "Wraeththu")
Die Erfüllung von Schicksal und Begehren (Rezi zum 3. Teil "Wraeththu")


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